Mediative Kompetenzen in der Beratung von Familien

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Die komplexen psychosozialen Dynamiken in vermögenden Familien stellen für viele Service Provider eine besondere Herausforderung dar, gilt es doch ökonomische, rechtliche und emotionale Logiken in der Beratung zu berücksichtigen, unterschiedliche Rollen und Interessen auszuhandeln und mit mehreren Generationen und deren verschiedenen Wertesystemen in der Beratung zu kommunizieren.

Diese Situationen können Service-Provider nicht allein aufgrund ihrer jeweiligen Fachkompetenzen gestalten. Beratungsprozesse in diesem Kontext erfordern andere Kommunikations- und Interaktionsweisen, die Kompetenz zur Gestaltung von vertrauensvollen Beziehungen auch und gerade in widersprüchlichen Situationen und Konflikten. Genau darum ging es am Seminar «Mediative Kompetenzen in der Beratung von Familien», welches am 26. und 27. Mai 2014 in Zusammenarbeit mit der LGT, durchgeführt wurde.

Das Seminar richtete sich an erfahrene Service Provider, welche häufigen und intensiven Kontakt mit Familienmitgliedern aus vermögenden Familien haben. Folgende Themenfelder wurden aufgegriffen:

  • Psycho-Logiken als Komplexitätsfaktor in Familiensystemen: Entwicklungsverläufe und –phasen, Interaktionsmuster bei Konflikten, besondere Dynamiken etc.
  • Kompetenzen in der Beratung von Familien: Beratungskompetenzen aus Sicht der Neurobiologie, Gestaltung emotional herausfordernder Situationen, Selbstmanagement
  • Interessensbasierte Kommunikation in der Beratung: Bedeutung von Emotionen und Interessen, Modell für den Umgang mit starken Emotionen, Kernelemente der interessensbasierten Kommunikation
  • Gestaltung von Konfliktdynamiken in Familiensystemen: Geschwisterrivalitäten, Familiengeheimnisse, Entscheidungsdilemmata, die Achterbahn der Erwartungen, Konfliktkulturen in Familien, Deeskalationsstrategien bei Konflikten

Neun Teilnehmende aus Liechtenstein und der Schweiz haben sich im inspirierenden Ambiente von Schloss Freudenfels getroffen, um obige Themen in einem vertrauensvollen Rahmen zu vertiefen. Zu erwähnen gilt, dass es inhaltlich weniger um technische Elemente ging, sondern viel mehr um emotionale, persönliche und zwischenmenschliche Prozesse, unterlegt mit neuesten Erkenntnissen aus der Neurobiologie und/oder der Psychologie.

Nach der Begrüssung durch S.D. Prinz Philipp von und zu Liechtenstein, Präsident des Stiftungsrates der Liechtenstein Academy und LGT, und Norbert Biedermann, CEO LGT Bank AG, hat der ausgewiesene Experte und einzige Universitätsprofessor für Mediation in deutschsprachigen Ländern Mario Patera noch vor dem Abendessen einen ersten Einblick ins Thema gegeben. Der gemeinsame Austausch war somit eröffnet.

Verstehen der Emotionen und der Bedürfnisse der beteiligten
Personen beeinflusst nachhaltig, ob es gelingt im
Beratungsprozess Vertrauen aufzubauen.

Mit fundierten theoretischen Impulsen, praktischen Handlungsanleitungen und viel Raum für den persönlichen Erfahrungsaustausch führte Univ.Prof. Mario Patera am Folgetag durch das anspruchsvolle Hauptprogramm. Dabei wurde erfahrbar, wie zentral die Sensibilisierung für die spezifischen Familiendynamiken im Rahmen gelingender Beratungsprozesse ist. Anhand von Fallbeispielen der Teilnehmenden wurden die Mehrwerte mediativer Beratungskompetenzen erfahrbar. Das Verstehen der Emotionen und der Bedürfnisse der beteiligten Personen beeinflusst nachhaltig, ob es gelingt im Beratungsprozess Vertrauen aufzubauen. Es zeigte sich zudem in vielen Diskussionen, dass die Auseinandersetzung des Beraters mit der eigenen Person, seinen Bildern und Annahmen ein wichtiger und gleichzeitig höchst anspruchsvoller Schritt ist.

«In den intensiven Diskussionen und Reflexionen war es beeindruckend zu sehen, wie schnell die Teilnehmenden die Impulse mediativer Beratungskompetenzen für die Etablierung von vertrauensvollen Beziehungen in ihre Arbeit integrieren konnten.» (Univ.-Prof. Mario Patera)

Ein paar Eindrücke resp. Rückmeldungen seitens der Teilnehmenden:

«Ja, meine Erwartungen wurden wirklich erfüllt. Meine persönliche Erkenntnisse waren und sind: auch im geschäftlichen Bereich sind Aufmerksamkeit, das bewusste Wahrnehmen und die Qualität durch Verlangsamung entscheidende Faktoren. Wie im privaten Bereich ja auch. Und leider lassen wir uns immer wieder durch Fremdbestimmung und «sich hetzen lassen» verführen. Und wie das mit der Neurobiologie zusammenhängt, war schon interessant. Ich empfinde Lust auf mehr.»

«Mir wurde bewusst wie wichtig das konzentrierte Zuhören ist. Die Tipps für das Verhalten bei hohen, negativ belasteten Emotionen waren äusserst wertvoll.»

Für weitere Informationen können Sie uns gerne kontaktieren: info@liechtenstein-academy.com