Blog 02/2018 – Michael Trybek

Veröffentlicht am in Allgemein

Über unseren Blog 2018

Immer mehr Menschen sehnen sich nach einfachen Erklärungen und Lösungen. Ein untrügliches Zeichen dafür, dass unsere Lebensverhältnisse zunehmend komplexer werden. In diesem Jahr werden wir aus diesem Grund 12 Blogbeiträge veröffentlichen, die sich gerade mit dieser überaus aktuellen Thematik beschäftigen.

Uns ist dabei wichtig sehr unterschiedliche Perspektiven zu berücksichtigen, um Ihnen als Leser ein möglichst anregendes Angebot zu bieten. Hierfür haben wir vier namhafte Gastautoren und Gastautorinnen gewinnen können, die ohne redaktionelle Filter jeweils Ihre persönlichen Überlegungen miteinfliessen lassen. Freuen Sie sich auf philosophische Einblicke von Dr. Ina Schmidt , humorvolle Gedankengänge unseres therapeutischen Clowns Michael Trybek , scharfsinniges von unserem Sprach- und Rechtsexperten Carlos A. Gebauer sowie konstruktive Überlegungen unseres Gesundheitsexperten Christoph von Oldershausen.

Wir wünschen Ihnen eine anregende Lektüre.

Ihr Team der Liechtenstein Academy

«Brrrrmmm!»

Künstlerin: Gerda Elisa Lengauer

Wenn ich mit meinem 2-jährigen Enkelsohn spiele, ist vieles sehr einfach. Für ihn und für mich. Unabhängig davon was wir spielen: es ist im Wesentlichen nachvollziehbar und macht Spass! So können wir z.B. für eine lange Zeit mit seinem Spielzeug-Traktor hin- und her-rollen und dazu «Brrrrmmm!» machen. Dann wird etwas in den Anhänger eingeladen, an anderer Stelle wieder ausgekippt und alles beginnt wieder von vorne. Spielerische Abläufe, manchmal bereits erstaunlich komplex (wer ahnt schon, wie viele Handgriffe bei so einem Transport zur Anwendung kommen?) und dennoch unkompliziert, weil vom «Nutzen» (= was bringt das?) entkoppelt. Und weil dieses Tun so leicht und so wunderbar un-sinnig (und dabei zugleich wunderbar sinn-voll) ist, sind der Kreativität und der Fantasie keine Grenzen gesetzt!

Ich bewundere stets aufs Neue die Fähigkeit von Kindern, die mit so hoher Konzentration und ernsthafter Freude spielen können. Möglicherweise ist es die Abwesenheit von dem Druck und dem Zwang, etwas leisten zu «müssen». Die spielerische Aktivität findet in einem Zustand jener Freiheit statt, die es ermöglicht, in ganz eigener Art und Weise etwas zu entdecken und zu erleben. Und dabei den Horizont der Erfahrung allmählich zu erweitern.

Am Beginn der Kindheit wird «die Welt» noch als einfach und «be-greifbar» - im wahrsten Sinne des Wortes - erlebt. Dieser Zustand hält meist nicht lange an, denn sehr rasch wird vieles rundherum nicht nur ständig komplexer, sondern auch komplizierter. Normen, Regeln und Anforderungen vielerlei Art wollen eingehalten und bewältigt werden. Das «System» lehrt uns, zwischen «richtig» und «falsch» zu unterscheiden, meist mit den Konsequenzen von Lob und Tadel. Dadurch beginnen wir schon relativ früh mit der Anpassungsleistung an unsere Mitwelt: Zuerst in der Familie, dann im Kindergarten und der Schule, später im Beruf,…

Irgendwann kennen wir die jeweiligen «Spiel-Regeln», wissen wie der Hase läuft, haben es gecheckt! Unsere (positiven & negativen) Erfahrungen sind in unserem Gehirn (und auch emotional!) «gespeichert» und können - je nach Situation und Fähigkeit - abgerufen werden.

Doch «die Welt» bleibt nicht stehen. Wir alle sind – mehr oder weniger - mit einer teilweise schwer zu überblickenden Vielfalt an neuen Entwicklungen und Herausforderungen konfrontiert. Das Tempo und der Druck im Arbeitsalltag werden ständig höher und erschweren dadurch ein sinnerfassendes Nachvollziehen von Zusammenhängen. Das führt mitunter zu einer permanenten Anpassungsleistung, um innerhalb des «Systems» möglichst reibungslos zu funktionieren.

Wird dieses «Funktionieren» zu sehr in den Vordergrund gestellt, dann verlieren wir dabei zunehmend einige der wertvollsten Talente und Werte unserer Kindheit: Die Kreativität und die Fantasie. Die Freude und die Leichtigkeit. Die Neugierde und das Staunen. Die Unbekümmertheit und das Lachen. Ich bin davon überzeugt, dass wir diese Charakter-Eigenschaften mehr denn je benötigen. Sie sind ein Ausdruck von Lebensqualität und Lebenskunst, Glücklicherweise habe ich einen wunderbaren Lehrmeister.

Er ruft mich gerade. Wir haben noch einiges zu tun! «Brrrrmmm!»

Geschrieben von: Michael Trybek

«Anspruchsvolle Situationen souverän meistern»
26. bis 27. Oktober 2018
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