Blog 06/2018 – Michael Trybek

Veröffentlicht am in Allgemein

Über unseren Blog 2018

Immer mehr Menschen sehnen sich nach einfachen Erklärungen und Lösungen. Ein untrügliches Zeichen dafür, dass unsere Lebensverhältnisse zunehmend komplexer werden. In diesem Jahr werden wir aus diesem Grund 12 Blogbeiträge veröffentlichen, die sich gerade mit dieser überaus aktuellen Thematik beschäftigen.

Uns ist dabei wichtig sehr unterschiedliche Perspektiven zu berücksichtigen, um Ihnen als Leser ein möglichst anregendes Angebot zu bieten. Hierfür haben wir vier namhafte Gastautoren und Gastautorinnen gewinnen können, die ohne redaktionelle Filter jeweils Ihre persönlichen Überlegungen miteinfliessen lassen. Freuen Sie sich auf philosophische Einblicke von Dr. Ina Schmidt , humorvolle Gedankengänge unseres therapeutischen Clowns Michael Trybek , scharfsinniges von unserem Sprach- und Rechtsexperten Carlos A. Gebauer sowie konstruktive Überlegungen unseres Gesundheitsexperten Christoph von Oldershausen.

Wir wünschen Ihnen eine anregende Lektüre.

Ihr Team der Liechtenstein Academy

MODERN TIMES.

Vor kurzem war ich mit einem Mitarbeiter einer österreichischen Bank verabredet. Nach einer kurzen Führung durch das neu errichtete, moderne Bürogebäude, fragte ich ihn, ob er sich hier wohlfühlen würde. Er bejahte dies, bedauerte aber im selben Atemzug, die Fenster nicht mehr öffnen zu können. Dies sei per Verordnung nicht erwünscht, da sich ein willkürliches Fensteröffnen angeblich auf das Raumklima im gesamten Haus auswirken würde. Mein Gesichtsausdruck dürfte wohl einigermassen verblüfft ausgesehen haben, denn mit einem schelmischen Lächeln, öffnete er eine seiner Büroladen. Daraus zog er einen Werkzeugschlüssel, wie man ihn in jedem Baumarkt bekommt. Mit dem schritt er entschlossen zu dem grossen Fenster im Raum und – einmal rumgedreht - öffnete es.

Stolz blickte er mich an, so als hätte er soeben eine wahre Grosstat vollbracht.

Und in gewissem Sinne war es das auch!

Denn er hatte sich mit den willkürlichen Gesetzmässigkeiten des Büroalltages nicht schulterzuckend abgefunden, sondern sich mit diesem kleinen «Akt des Aufbegehrens», darüber hinweggesetzt. Und damit ein Stück Autonomie «rück-erobert». Für mich war diese Beobachtung deshalb von Interesse, weil damit scheinbar Selbstverständliches (wie in diesem Beispiel das Öffnen eines Bürofensters) zu etwas Besonderem – ja, beinahe zu einer «subversiven Handlung» wurde.
Unwillkürlich dachte ich an eine Szene im Film «Modern Times» von und mit Charlie Chaplin:

Er arbeitet an einem Fliessband und wird, durch widrige Umstände, in die Maschine hineingezogen. Dort dreht er sich inmitten von grossen Zahnrädern hin und her, wird also von der Maschinerie völlig vereinnahmt. Chaplin nahm in dieser Szene humorvoll-parodistisch eine mögliche Entwicklung der Moderne vorweg, nämlich die Vereinnahmung des Menschen durch die Technisierung.

Im selben Gebäude der Bank – ebenerdig, im Kundenbereich - wurde ich anschliessend noch Zeuge folgender Situation: eine ältere Dame, wohl um die 70 Jahre, versuchte vergeblich an einer der dafür errichteten Service-Automaten, ihre Banküberweisung zu tätigen.

Ich sah ihre hilfesuchenden Blicke durch die grosse Halle schweifen. Also bot ich meine Hilfe an und gemeinsam gelang es uns, diese Angelegenheit zu erledigen. Dann gestand mir die Dame, dass sie diese Schwierigkeiten bei ihren Überweisungen jeden Monat erleben müsse und sich genieren würde, ständig jemanden um Unterstützung zu bitten. Aber sie werde nicht aufgeben und es immer wieder selbst versuchen. «Denn irgendwann schaffe ich es auch alleine.», wie sie mir zuversichtlich lächelnd zuflüsterte.

Als ich das Gebäude verliess, versuchte ich meine Eindrücke zu ordnen. Die da waren: Ein Mitarbeiter, der heimlich das Bürofenster öffnet, um etwas vom der erfrischenden Reinheit der Luft in die sterile Welt seines Büro einzulassen. Eine alte Frau, die monatlich an der Bedienung eines Überweisungsautomaten scheitert und dennoch nicht aufgibt. Und schliesslich Charlie Chaplin, der mit seinen Filmen versucht, den Menschen Optimismus und Zuversicht zu schenken, indem er sie berührt und zum Lachen bringt.

Dabei fiel mein Blick auf die vorbeifliessende Donau… Einen erhellenden Augenblick lang hatte ich die Gewissheit, dass dies alles irgendwie miteinander zusammenhing. Aber wie und warum, dass konnte ich beim besten Willen nicht erfassen.
Es war offensichtlich zu komplex.

Geschrieben von: Michael Trybek

«Inspiration und Souveränität – Basis für den persönlichen Erfolg»
10. bis 14. September 2018
Details ansehen