Blog 10/2018 – Michael Trybek

Veröffentlicht am in Allgemein

Über unseren Blog 2018

Immer mehr Menschen sehnen sich nach einfachen Erklärungen und Lösungen. Ein untrügliches Zeichen dafür, dass unsere Lebensverhältnisse zunehmend komplexer werden. In diesem Jahr werden wir aus diesem Grund 12 Blogbeiträge veröffentlichen, die sich gerade mit dieser überaus aktuellen Thematik beschäftigen.

Uns ist dabei wichtig sehr unterschiedliche Perspektiven zu berücksichtigen, um Ihnen als Leser ein möglichst anregendes Angebot zu bieten. Hierfür haben wir vier namhafte Gastautoren und Gastautorinnen gewinnen können, die ohne redaktionelle Filter jeweils Ihre persönlichen Überlegungen miteinfliessen lassen. Freuen Sie sich auf philosophische Einblicke von Dr. Ina Schmidt , humorvolle Gedankengänge unseres therapeutischen Clowns Michael Trybek , scharfsinniges von unserem Sprach- und Rechtsexperten Carlos A. Gebauer sowie konstruktive Überlegungen unseres Gesundheitsexperten Christoph von Oldershausen.

Wir wünschen Ihnen eine anregende Lektüre.

Ihr Team der Liechtenstein Academy

SELTEN SO GEDACHT

Aufmerksam höre ich im Rahmen der LGT Academy «Be.Yourself» Michael Kotyk, einem befreundeten Experten, zu. Er spricht über «Self-empowerment» und erklärt: «Gedanken erzeugen eine Realität, die wir dann erfahren.» An die 80.000 Gedanken würden wir im Wachzustand denken. Täglich!

Wenn dies auch nur annähernd zutrifft, dann denken wir eine ziemliche Menge. Das befähigt uns aber auch dazu, einer Menge unserer Gedanken eine neue Richtung zu geben. Grundsätzlich. Jedoch würden wir dazu neigen, so Kotyk weiter, «…jeden Tag (zumindest 90%) dieselben Gedanken vom Tag zuvor und vom Tag zuvor und vom Tag zuvor usw. zu denken.»

Beim Versuch mir dessen bewusst zu werden, konnte ich beobachten, dass meine Gedanken von zwei Grundzuständen beeinflusst werden:

1. Alles läuft nach Plan und ist im Wesentlichen so, wie ich es möchte. Das ist ein Zustand des Denkens, der vor allem mit Routine und Gewohnheiten in Zusammenhang steht.

2. Es kommt zu unvorhergesehenen Situationen, auf die ich nicht oder kaum vorbereitet bin.

Beim ersten Zustand funktioniert mein Gehirn im «Routine-Modus» und verbraucht dadurch weniger Energie. Das tut dem Hirn offenbar gut, denn es aktiviert diesen Modus oft und gerne.

Im zweiten Fall wird die Routine unfreiwillig oder unbewusst unterbrochen. Das ist für unser Gehirn anstrengend da es für die neue Situation neue Gedanken entwickeln soll. Diesen zusätzlichen Energieaufwand wollen wir lieber vermeiden. Meistens zumindest.

Vielleicht ist dies eine der Ursachen, dass wir die gewohnten Abläufe in unserem Leben mehr schätzen als unliebsame Überraschungen. Der Begriff «think outside the box» bedeutet also womöglich jene Bereitschaft, sich freiwillig (= bewusst!) auf ein Abenteuer des Denkens und dessen (ungewisse) Folgen einzulassen. Dies kann durch eine relativ simple Maßnahme erreicht werden, die ich hier mit Interesse oder Neugierde benennen möchte. Menschen mit Interesse generieren eher neue Realitäten und Erfahrungen und erweitern dadurch ihren persönlichen Horizont der Lebenserfahrung.

Doch manchmal erhält der Perspektivenwechsel des Denkens auch völlig unvermittelt eine Chance, die man sich in dieser Form wahrscheinlich kaum selbst ausdenken würde. Bei mir geschah dies vor kurzem auf folgende Weise.

Als ich nach einem fordernden Arbeitstag und einer langen Autofahrt im Hotel eingecheckt hatte, habe ich mich auf eine erholsame Nacht gefreut. Ich hatte an der Rezeption um ein Eckzimmer gebeten, mit dem Fenster hinaus zum Innenhof. Größtmögliche Ruhe wurde mir zugesichert. Ich bin früh zu Bett gegangen und auch rasch in tiefen Schlummer gefallen, bis mich ein seltsam dröhnendes Wummern langsam aber bestimmt aus Morpheus` Armen zu befreien begann.

Der müde Blick auf die Uhr zeigte 1 Uhr 30. Langsam begann ich die Quelle des Dröhnens zu lokalisieren. Es kam wohl von einem der Zimmer neben mir. Das Dröhnen und Wummern begann sich in meiner Wahrnehmung in rhythmische Klänge von Techno-Musik zu verwandeln, was die Situation zwar noch skurriler, aber nicht unbedingt schlafförderlicher machte. Offensichtlich wurde eine Party gefeiert – von wem und warum auch immer. Ich konnte nicht mehr schlafen und habe zu überlegen begonnen, was ich nun tun sollte: Anziehen, rausgehen, an die Tür klopfen und Ruhe einfordern? Mitfeiern? Beides kam nicht in Frage. Da dachte ich an die Worte aus «Self-empowerment», denn ich benötigte jetzt dringend einen völlig neuen Gedanken, wenn ich mich nicht schlaflos weiterärgern wollte.

Da habe ich begonnen, einen «alten Gedanken» in mir zu aktivieren, nämlich die Erinnerung an jene Zeit, als ich selbst noch bis spät in die Nacht hinein laute Musik gehört habe. «When I was young!»

Dieser Gedanke begegnete der aktuellen Situation und hat zu (m)einer neuen Realität geführt: ich werde mich nicht ärgern, sondern mich gelassen vom Technobeat in den Schlaf wummern lassen. Die Folge war eine neue Erfahrung: begleitet von den Bassklängen entschwand ich lächelnd ins Land der Träume, wo ich mit meinen Freunden von damals eine ausgelassene Party gefeiert habe. Mein Hirn war beglückt und konnte wieder abschalten. Gut so.

Geschrieben von: Michael Trybek

«Inspiration und Souveränität – Basis für den persönlichen Erfolg»
23. bis 27. September 2019
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