Blog 12/2018 – Christoph von Oldershausen

Veröffentlicht am in Allgemein

Über unseren Blog 2018

Immer mehr Menschen sehnen sich nach einfachen Erklärungen und Lösungen. Ein untrügliches Zeichen dafür, dass unsere Lebensverhältnisse zunehmend komplexer werden. In diesem Jahr werden wir aus diesem Grund 12 Blogbeiträge veröffentlichen, die sich gerade mit dieser überaus aktuellen Thematik beschäftigen.

Uns ist dabei wichtig sehr unterschiedliche Perspektiven zu berücksichtigen, um Ihnen als Leser ein möglichst anregendes Angebot zu bieten. Hierfür haben wir vier namhafte Gastautoren und Gastautorinnen gewinnen können, die ohne redaktionelle Filter jeweils Ihre persönlichen Überlegungen miteinfliessen lassen. Freuen Sie sich auf philosophische Einblicke von Dr. Ina Schmidt , humorvolle Gedankengänge unseres therapeutischen Clowns Michael Trybek , scharfsinniges von unserem Sprach- und Rechtsexperten Carlos A. Gebauer sowie konstruktive Überlegungen unseres Gesundheitsexperten Christoph von Oldershausen.

Wir wünschen Ihnen eine anregende Lektüre.

Ihr Team der Liechtenstein Academy

Never change a winning Team – oder doch?

 

Der globale Profisport ist vor allem eins: Gnadenlos ergebnisorientiert. Wer erinnert sich noch an den 2. Platz im 100 Meter Sprint bei Olympia, den Halbfinalisten von Wimbledon oder der letzten Champions League Saison? Richtig, ich auch nicht. Was wirklich zählt ist die Spitze, der 1. Platz. Genau deshalb streben Profisportler danach, ihre Performance immer weiter zu optimieren und am Ende nicht nur bei 99, sondern bei 100% ihrer Leistungsfähigkeit zu sein.

Alf Ramsey, Trainer der englischen Fußballnationalmannschaft von 1963-1974, prägte den berühmten Satz: «Never change a winning team.» Wie Recht er mit seiner Aussage hatte, bewies der Titelgewinn der Engländer bei der Weltmeisterschaft 1966 unter seiner Leitung. Er vertraute auf ein Team, das er von Spiel zu Spiel so wenig wie möglich verändern wollte, um den Erfolg nicht zu gefährden.

Einen Gegenentwurf liefern die All Blacks, die neuseeländische Rugby-Nationalmannschaft und über die letzten Jahre und Jahrzehnte eines der erfolgreichsten Teams im internationalen Sport. Einer der Leitsätze, an denen sich das Team orientiert, lautet: «When you are on top of your game, change your game.» Die Aussage ist so einfach wie drastisch: Wenn du an der Spitze angekommen bist, dann verändere dein Spiel.

Auf den ersten Blick könnten beide Aussagen gegensätzlicher kaum sein: Der Wunsch nach Stabilität steht gegen den Wunsch nach Veränderung; die Ergebnisorientierung gegen die Prozessorientierung. Auf den zweiten Blick wird klar: Beide Teams haben Recht mit Ihrer Strategie, sind sie doch beide Weltmeister geworden.

Zudem liegt die wahre Kunst weniger im Gegensatz, sondern vielmehr in der Kombination beider Strategien. Kein Trainingsprogramm der Welt kann wirken, wenn es nicht ausreichend Zeit dafür bekommt. Kein Team kann sich völlig entfalten, wenn es nicht das volle Vertrauen des Trainers spürt. Kurz gesagt: Top-Leistung entsteht nicht in einem Umfeld der Unsicherheit, weder im Profisport, noch im Unternehmen. Um Top-Leistung zu fördern und nachhaltig aufrechtzuerhalten bedarf es eines Klimas des Vertrauens und der Sicherheit.

Gleichzeitig müssen wir darauf achten, diese Sicherheit nicht mit Stillstand zu verwechseln. Es geht nicht darum, immer die gleichen Dinge tun zu müssen – im Gegenteil! Vielmehr sollten wir Veränderung als Chance, sogar als Notwendigkeit verstehen, etwas Gutes noch besser machen zu können. Und zwar, und hier schließt sich der Kreis, sollten wir damit nicht erst anfangen, wenn unsere Leistung bereits abfällt und wir nicht mehr konkurrenzfähig, sondern genau dann, wenn wir gerade «on top of our game» sind. Das lernen wir vom Profisport: Es macht (fast) immer mehr Spaß, Veränderung aktiv zu gestalten, als vor vollendeten Tatsachen zu stehen und sich verändern zu müssen – egal ob im Sport, im Unternehmen oder der Familie.

Geschrieben von: Christoph von Oldershausen

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