Blog 08/2019 – Christoph von Oldershausen

Veröffentlicht am in Allgemein

Über unseren Blog 2019

Nachdem wir im vergangenen Jahr zahlreiche positive Rückmeldungen zu unseren Blogbeiträgen erhalten haben, möchten wir diese noch junge Tradition des Liechtenstein Academy Blogs gerne auch in diesem Jahr fortführen.

Auch 2019 ist es uns wichtig in unserem Blog unterschiedliche Perspektiven zu berücksichtigen, um Ihnen als Leser ein möglichst anregendes Angebot zu bieten. Hierfür haben wir wieder vier namhafte Gastautoren und Gastautorinnen gewinnen können, die ohne redaktionelle Filter jeweils Ihre persönlichen Überlegungen einfliessen lassen. Freuen Sie sich auf komplexe Zusammenhänge, einfach erklärt von Ulrich Schnabel, philosophische Einblicke von Dr. Ina Schmidt,  scharfsinniges von unserem Sprach- und Rechtsexperten Carlos A. Gebauer sowie konstruktive Überlegungen unseres Gesundheitsexperten Christoph von Oldershausen.

Wir wünschen Ihnen eine anregende Lektüre.

Ihr Team der Liechtenstein Academy

 

«Plan B»

 

Plan B begegnet uns meist als die schlechtere Alternative zu Plan A. Wenn wir eine alternative Lösung oder Handlung als Plan B bezeichnen, dann geht damit im allgemeinen Verständnis fasst immer eine Herabstufung zu Plan A einher. Das möchte ich ändern.

Um es klarzustellen: Ich rede nicht von den kleinen Plan Bs des Alltags. Wenn es keine gelbe Paprika gibt, dann kaufe ich eine rote. Die rote Paprika ist ein guter Plan B. Es bereitet mir keinerlei Schwierigkeiten, in Situationen wie diesen von Plan A zu Plan B zu wechseln. Hier ist Plan B die Lösung eines Problems und nicht – wie möglicherweise in einem grösseren Kontext – das Scheitern eines grossen Ziels oder sogar eines Lebensentwurfs. Aber bevor wir uns in Vergleichen zweier Paprika verlieren, versuche ich das Ganze mit einer persönlichen Geschichte zu erklären.

Ein Freund kam vor einiger Zeit auf mich zu und bat um ein Gespräch. Die Situation war in etwa folgende: Seit seiner Kindheit verfolgt mein Freund ein sehr anspruchsvolles Ziel. Auf dem Weg dorthin hat er viele Teilziele erreicht, auch einige Rückschläge einstecken und Umwege gehen müssen, aber er kam seinem Ziel Stück für Stück näher. In letzter Zeit allerdings häuften sich die Rückschläge und Misserfolge. Je härter er in Richtung seines Ziels arbeitete, desto weiter geriet es ausser Reichweite. Hinzu kamen private Veränderungen und Verpflichtungen, die die Situation zusätzlich beeinflussten. Der Druck wurde so gross, dass mein Freund sich schliesslich ernsthaft hinterfragen musste, wie er wohl weitermachen solle. Und so war der Einstieg in unser Gespräch folgender Satz: «Christoph, ich brauche einen Plan B.».

Nun reden wir nicht mehr über rote oder gelbe Paprika. Wir reden über eine immense Drucksituation und das mögliche Scheitern eines (Lebens-)Entwurfs – Plan A – der das Handeln meines Freundes die letzten Jahrzehnte massgeblich geprägt hat. Das Problem an der Sache: Wenn Plan A zu scheitern droht und es keinen echten Plan B gibt, dann herrscht Alternativlosigkeit. Und wir alle wissen, dass Alternativlosigkeit unser Handeln in den meisten Fällen nicht nur positiv beeinflusst, sondern im Gegenteil den Druck weiter erhöht.

Keine Frage: Um grosse Ziele zu erreichen, braucht es sicherlich die Fähigkeit, sich und seine Anstrengungen zu fokussieren und in einer Welt voller Möglichkeiten die richtigen Optionen auszuwählen. Inzwischen bin ich davon überzeugt, dass wir auch einen echten Plan B in der Tasche haben sollten. Dieser Plan B sollte allerdings wesentlich mehr sein, als eine schlechte Alternative für den Fall, dass Plan A nicht funktioniert. Während Plan A oft klar und deutlich vor uns liegt und sich aus dem ergibt, was wir gut können und immer wieder erfolgreich umsetzen, liegt Plan B vielleicht noch abseits der gewohnten Pfade im Verborgenen. Gerade deshalb sollten wir uns ausreichend Zeit nehmen, um unseren Plan B zu entdecken – und ihn zu einer echten, ebenso erstrebenswerten Alternative zu machen.

Ich selbst habe einen Plan B, mit dem ich mich sehr wohlfühle und der in Drucksituationen vieles relativiert, was mich sonst möglicherweise verunsichern würde. Auch mein Freund hat inzwischen einen echten Plan B. Und seitdem auch wieder beruflichen Erfolg.

Geschrieben von: Christoph von Oldershausen