Blog 12/2019 – Christoph von Oldershausen

Veröffentlicht am in Allgemein

Über unseren Blog 2019

Nachdem wir im vergangenen Jahr zahlreiche positive Rückmeldungen zu unseren Blogbeiträgen erhalten haben, möchten wir diese noch junge Tradition des Liechtenstein Academy Blogs gerne auch in diesem Jahr fortführen.

Auch 2019 ist es uns wichtig in unserem Blog unterschiedliche Perspektiven zu berücksichtigen, um Ihnen als Leser ein möglichst anregendes Angebot zu bieten. Hierfür haben wir wieder vier namhafte Gastautoren und Gastautorinnen gewinnen können, die ohne redaktionelle Filter jeweils Ihre persönlichen Überlegungen einfliessen lassen. Freuen Sie sich auf komplexe Zusammenhänge, einfach erklärt von Ulrich Schnabel, philosophische Einblicke von Dr. Ina Schmidt,  scharfsinniges von unserem Sprach- und Rechtsexperten Carlos A. Gebauer sowie konstruktive Überlegungen unseres Gesundheitsexperten Christoph von Oldershausen.

Wir wünschen Ihnen eine anregende Lektüre.

Ihr Team der Liechtenstein Academy

 

«Gute Vorsätze»

 

Wie jedes Jahr stehen viele von uns vor der grossen Frage: Mit welchen guten Vorsätzen starte ich ins neue Jahr?! Ein paar Kilos weniger auf den Rippen, regelmässig Sport treiben, mehr Zeit nur für mich… So oder so ähnlich klingen viele der Vorsätze, die wir von uns, unseren Freunden und Bekannten hören.

Zumindest im beruflichen Kontext haben wir gelernt, dass Vorsätze bzw. Ziele, die durch unser eigenes Verhalten beeinflusst werden können, möglichst spezifisch formuliert werden sollten. Hierbei hilft uns beispielsweise die SMART-Regel. Sie sieht vor, dass wir uns bei der Zielformulierung an folgender Aufzählung orientieren:

Spezifisch/Specific
Messbar/Measurable
Attraktiv/Achievable
Realistisch/Reasonable
Terminiert/Time Bound

«Mehr Zeit für mich» wird also zu «Ich möchte mir in den ersten 8 Wochen des neuen Jahres jede Woche ein Zeitfenster von zwei Stunden am Stück schaffen, in dem ich Gitarre spielen lerne.» Diese SMARTE Zielformulierung ist ein guter erster Schritt in die richtige Richtung und erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass das angestrebte Ziel (= der gute Vorsatz) auch tatsächlich in die Tat umgesetzt wird. Einen wesentlichen Faktor spielt die Tatsache, dass ich mich mit den Hintergründen auseinandersetzen muss: Warum möchte ich mehr Zeit für mich haben? Wie verbringe ich diese Zeit konkret? Wie viel Zeit ist in meiner aktuellen Situation überhaupt realistisch?

Hier könnten wir aufhören und den Dingen ihren Lauf lassen. Wenn wir den gängigen Statistiken Glauben schenken dürfen, dann scheitern zwei Drittel der guten Vorsätze bereits bis Ende Januar. Zum Glück muss das aber nicht so sein, denn immer mehr Studien zeigen in eine klare Richtung: Wer sich intensiv damit auseinandersetzt, was auf dem Weg zur Zielerreichung alles schief gehen kann und mögliche Hindernisse proaktiv aus dem Weg räumt, der ist erfolgreicher in der Umsetzungsphase. Psychologen nennen das Frustrationsimpfung – ein Begriff, der aus meiner Sicht nicht besser gewählt sein könnte.

Nehmen wir wieder ein konkretes Beispiel. Sie haben für sich festgestellt, dass Sie nach dem Laufen zwar wahnsinnig stolz auf sich sind und einen klaren Kopf haben, es aber höchstens alle zwei bis drei Wochen in die Laufschuhe schaffen. Die Abende und Wochenenden sind meistens schon vollgepackt mit (Freizeit-)Verpflichtungen, manchmal fehlt Ihnen nach einem langen Arbeitstag auch einfach die Energie. Das soll sich im nächsten Jahr ändern, also formulieren Sie: «Ich werde jeden Montag in der Früh mindestens 30min Laufen gehen.» Puh, JEDEN Montag ist viel. Und das auch noch in der Früh. Welche Hindernisse werden Ihnen wahrscheinlich begegnen und wie gehen Sie damit um?

«Es regnet, es ist kalt. Ich möchte einfach liegen bleiben.» Das verstehe ich. Deshalb checken Sie am Vorabend den Wetterbericht für den Morgen, legen sich die passenden Laufsachen ebenfalls am Vorabend bereit und platzieren einen zweiten Wecker mit 1min Verzögerung im Wohnzimmer. Wenn Sie dann schon einmal aufgestanden sind, geht der Rest viel leichter.

«Ich war eine Stunde später im Bett als geplant und bin noch müde.» Davon geht die Welt nicht unter. Schlaf ist wichtig, ja. Sie möchten aber keinen Marathon laufen, sondern lediglich 30min laufen gehen. Das schaffen Sie auch mit einer Stunde weniger Schlaf als üblich. Und damit es nächsten Sonntag früher ins Bett geht, beauftragen Sie Ihren Partner damit, Sie um 22:00Uhr ins Bett zu schicken.

«Ich habe einfach keine Lust. Es kriegt ja keiner mit, wenn ich es heute ausfallen lasse.» Falsch gedacht. Sie haben nämlich im Vorfeld mit Ihrem Lieblingskollegen/Freund/Partner ausgemacht, dass der Sie immer montags danach fragen wird, wie es denn gelaufen ist – im wahrsten Sinne des Wortes. Und Sie wollen Ihre Woche ja wohl nicht mit einer Lüge starten?

Das klingt beim ersten Lesen vielleicht furchtbar unbequem, aber die Wahrheit ist nun einmal: Eine bewusst gesteuerte Verhaltensänderung kommt nicht von allein. Sie braucht zuallererst ein Invest, und zwar in Form Ihrer Energie. Wählen Sie klug, welche Kämpfe Sie wirklich mit sich ausfechten wollen, bereiten Sie sich gut vor und seien Sie gewappnet für alle Hindernisse, die ganz bestimmt auf Sie zukommen werden. Als Belohnung winkt eine grosse Portion Selbstwirksamkeit und die Gewissheit, dass Sie es schaffen können.

Haben Sie schon einmal einen guten Vorsatz mit aller Konsequenz in die Tat umgesetzt? Wie hat es sich angefühlt? Woran wären Sie womöglich fast gescheitert?

Geschrieben von: Christoph von Oldershausen

«Inspiration und Souveränität – Basis für den persönlichen Erfolg»
05. – 09. Oktober 2020
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