Blog 01/2020 – Michael Bursik

Veröffentlicht am in Allgemein

Über unseren Blog 2020

Nachdem wir in den vergangenen Jahren zahlreiche positive Rückmeldungen zu unseren Blogbeiträgen erhalten haben, möchten wir diese noch junge Tradition des Liechtenstein Academy Blogs gerne auch in diesem Jahr fortführen.

Auch 2020 ist es uns wichtig in unserem Blog unterschiedliche Perspektiven zu berücksichtigen, um Ihnen als Leser ein möglichst anregendes Angebot zu bieten. Hierfür haben wir insgesamt sechs namhafte Gastautoren und Gastautorinnen gewinnen können, die ohne redaktionelle Filter jeweils Ihre persönlichen Überlegungen einfliessen lassen.

Freuen Sie sich auf Neues und Überraschendes von Michael Bursik, komplexe Zusammenhänge, einfach erklärt von Ulrich Schnabel, philosophische Einblicke von Dr. Ina Schmidt, scharfsinniges von unserem Sprach- und Rechtsexperten Carlos A. Gebauer , spannende Themen rund um die moderne Arbeitswelt von Sibylle Mäder sowie konstruktive Überlegungen unseres Gesundheitsexperten Christoph von Oldershausen.

Wir wünschen Ihnen eine anregende Lektüre.

Ihr Team der Liechtenstein Academy

 

«Das Dilemma mit dem Klima»

 

Jedes Jahr im Januar wird ein Dorf im Schweizer Kanton Graubünden zur Bühne für die Weltwirtschaft und -politik. Das World Economic Forum (WEF) lädt nach Davos, um Themen unserer Zeit zu besprechen. Dieses Jahr ganz oben auf der Themenliste: Unser Klima.

Gemeint ist damit jedoch nicht die überhitzte weltpolitische Stimmung oder die rasante Abkühlung diplomatischer Beziehungen einzelner Länder. Es geht um die wissenschaftlich gesicherte Erkenntnis, dass der Mensch Hauptverursacher der laufenden globalen Klimaerwärmung ist. Und darum, wie sich eine globalisierte Wirtschaft an der Lösung dieses Problems beteiligen wird.

Auch dieses Jahr lädt das WEF dazu die prominente Repräsentantin der Friday for Future Bewegung, Greta Thunberg, zum Treffen der Mächtigen. Diese richtete Anfang Januar mit einem Beitrag auf den Seiten des WEF einen speziellen Appell an die Finanzwelt: «The world of finance has a responsibility to the planet, the people and all other species living on it.»

Diese zugeschriebene Verantwortung kann in Zeiten von Umweltkatastrophen, wie den Bränden in Australien, Vulkanausbrüchen auf den Philippinen oder den Überschwemmungen in Indonesien menschlich sehr nahe gehen. Manch einer verfällt bei derartiger Kritik leider in kindliche Reaktionsmuster und stellt sich demonstrativ auf die Gegenposition. Doch wirklich weiterhelfen tut das keinem - lösungsorientiertes Vorgehen sieht anders aus. Darum möchte ich in meinem Beitrag ein System beleuchten, mit dem Sie eingefahrene Denkmuster aufbrechen können: Das Tetralemma.

Wege aus dem Dilemma

Auch wenn Populisten die Welt gerne in Schwarz und Weiss darstellen; wir wissen, dass die Realität feinere Nuancen zeigt. Einen Ausweg aus eingefahrenen Denkmustern liefert das sogenannte Tetralemma. Die ursprünglich aus der indischen Logik stammende Struktur wurde von systemischen Denkern übernommen und ist ein ausserordentlich kraftvoller Prozess zur Überwindung jeder Erstarrung im schematischen Denken. Es gehört mittlerweile zum Standardrepertoire systemischer Beratung und erzielt erstaunliche Ergebnisse.

Dabei geht man gedanklich vier Positionen durch: Das «Eine», also was man bisher als wahr betrachtete und das «Andere», was das Gegenteil des «Einen» darstellt. Das nun entstandene Dilemma zwischen dem «Einen» und dem «Anderen» löst man durch Hinzufügen eines «Sowohl-als-auch», einem «Keines von Beiden» und zuletzt einem «All dies nicht» vollkommen auf.

Das «Sowohl-als-auch» wirft einen Blick auf das vermeintlich Übersehene: Gibt es eine Art Kompromiss zwischen den beiden Positionen? Lassen sie sich zeitlich oder räumlich vereinbaren oder handelt es sich gar um Scheingegensätze? «Keines von Beiden» stellt die Frage nach dem Kontext. Denn es könnte durchaus sein, dass beide Haltungen «falsch» wären. Welches Problem gäbe es dann zu lösen? Zuletzt die radikalste Position «All dies nicht», die alle bisherigen Ansätze negiert und dadurch ein völlig losgelöstes Querdenken und Aufkommen neuartiger, kreativer Lösungsansätze erleichtert. Durch das Tetralemma erweitert sich der gedankliche Raum und liefert neue Handlungsmöglichkeiten.

Ein wunderbares Beispiel für die Anwendung des Tetralemma-Prinzips ist der New York Times Beitrag der Umweltaktivistin Emma Marris. Sie führt die Rolle des Kontexts («Keines von Beiden») in unsere Überlegungen ein und schafft es dadurch, dichotome Denkblockaden aufzuheben und neue Handlungsoptionen aufzuzeigen. Nutzen auch Sie das Tetralemma, um scheinbar gegensätzliche Positionen neu zu bewerten. Dazu wünsche ich Ihnen vor allem die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die Sie nicht ändern können, den Mut, Dinge anzugehen, die Sie ändern können und vor allem die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.

Geschrieben von: Michael Bursik

«ZEIT DER KRISE: ZEIT ZUM HANDELN? – Ein virtueller Austausch»
04. Juni 2020 (Anmeldeschluss: 02. Juni, 20:00 Uhr)
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