Blog 04/20 – Christoph von Oldershausen

Veröffentlicht am in Allgemein

Über unseren Blog 2020

Nachdem wir in den vergangenen Jahren zahlreiche positive Rückmeldungen zu unseren Blogbeiträgen erhalten haben, möchten wir diese noch junge Tradition des Liechtenstein Academy Blogs gerne auch in diesem Jahr fortführen.

Auch 2020 ist es uns wichtig in unserem Blog unterschiedliche Perspektiven zu berücksichtigen, um Ihnen als Leser ein möglichst anregendes Angebot zu bieten. Hierfür haben wir insgesamt sechs namhafte Gastautoren und Gastautorinnen gewinnen können, die ohne redaktionelle Filter jeweils Ihre persönlichen Überlegungen einfliessen lassen.

Freuen Sie sich auf Neues und Überraschendes von Michael Bursik, komplexe Zusammenhänge, einfach erklärt von Ulrich Schnabel, philosophische Einblicke von Dr. Ina Schmidt, scharfsinniges von unserem Sprach- und Rechtsexperten Carlos A. Gebauer , spannende Themen rund um die moderne Arbeitswelt von Sibylle Mäder sowie konstruktive Überlegungen unseres Gesundheitsexperten Christoph von Oldershausen.

Wir wünschen Ihnen eine anregende Lektüre.

Ihr Team der Liechtenstein Academy

Ein Akzeptanz Intensiv-Seminar

Die Fähigkeit von Materialien, nach einer Verformung wieder in ihre ursprüngliche Form zurückzukehren, wird in der Werkstoffkunde als Elastizität, Spannkraft oder Resilienz beschrieben. Bezogen auf den Menschen und seine „Verformbarkeit“ geht das Verständnis von Resilienz noch etwas weiter: Resilient ist, wer Herausforderungen und Krisen nicht nur gut meistert (= in die vorherige Form zurückkehrt), sondern auch gestärkt daraus hervorgeht.

Dieses Prinzip ist ähnlich einem Baum, dessen Äste sich unter der Last schwerer Schneemassen stark zur Seite neigen. Er hat seine ursprüngliche Form verlassen, um unter dem Gewicht des Schnees nicht zu zerbrechen - im wahrsten Sinne des Wortes. Sobald der Schnee schmilzt, kehrt er in seine Ausgangsform zurück. Wiederholt sich dieses Schauspiel über viele Jahre, so wird der Baum stärker und stärker und somit immer belastbarer.

Ist Resilienz also so etwas wie eine Superkraft, die uns vor allen negativen Einflüssen schützt und uns mit jeder überstandenen Herausforderung immer stärker macht? Tatsächlich wird Resilienz auch gern als Immunsystem der Psyche bezeichnet, denn sie hat eine wichtige Schutzfunktion für uns. Nichtsdestotrotz gibt es Ereignisse und Umstände, die so stark sind, dass sie uns aus der Bahn werfen – ganz egal, wie gut wir vorbereitet waren.

Bis heute ist nicht abschließend geklärt, wie groß eigentlich der Anteil der genetischen Disposition für die Entwicklung einer resilienten Persönlichkeit ist und zu welchem Anteil wir durch unser eigenes Denken und Handeln resilienter werden können. Klar ist zumindest: Resilienz kann man üben – und dadurch das eigene Immunsystem der Psyche verbessern.

Eine gängige Theorie der Resilienz besagt, dass es 7 Faktoren gibt (auch Säulen genannt), die eine resiliente Persönlichkeit ausmachen und die wir aktiv positiv beeinflussen können. Diese 7 Faktoren sind:

  • Akzeptanz: Veränderungen und unveränderliche Situationen akzeptieren, anstatt dagegen anzukämpfen.
  • Optimismus: Zuversicht, Vertrauen und Sicherheit durch eine positive Grundhaltung.
  • Lösungsorientierung: Probleme als Herausforderung und Chance sehen.
  • Verantwortungsübernahme: Verantwortung übernehmen für die eigenen Gedanken, Gefühle und Handlungen, aber nicht für Dinge außerhalb des Einflussbereichs.
  • Rollenverhalten: Die eigene Rolle nach den eigenen Vorstellungen gestalten, die Opferrolle verlassen.
  • Zukunftsplanung: Eigeninitiative ergreifen, Zielsetzungen, Visionen und Ziele entwickeln und aktiv gestalten.
  • Soziales Netzwerk: Aufbau und Pflege wertvoller Beziehungen, Bereitschaft Unterstützung anzunehmen und einzufordern.

Gehen Sie die Faktoren noch einmal in Ruhe durch und gehen Sie kurz in sich. Welche Faktoren haben Ihnen in den letzten Wochen vor allem dabei geholfen positiv zu bleiben und gut mit der Situation zurechtzukommen? Und umgekehrt: Auf welche Säule sollten Sie in Zukunft ein stärkeres Augenmerk legen, um für weitere Herausforderungen gut gewappnet zu sein?

Für mein persönliches Immunsystem der Psyche war der Faktor Akzeptanz ganz entscheidend und eine wichtige Grundlage, um anschließend optimistisch und lösungsorientiert in die Zukunft zu schauen:

 

Akzeptiere es. Es ist nicht Resignation. Nichts lässt dich so viel Energie verlieren, wie die Diskussionen und der Kampf gegen eine Situation, die du nicht ändern kannst. (Dalai Lama)

Resiliente Menschen zeichnen sich unter anderem dadurch aus, dass sie sehr schnell erkennen, was nicht zu ändern ist. Wir alle haben in den letzten Wochen ein regelrechtes Akzeptanz-Intensivseminar durchlaufen – ob wir wollten oder nicht. Unser Planungshorizont ist jetzt nicht mehr auf Monate und Jahre, sondern auf Tage und Wochen ausgerichtet. Und vielleicht ergibt sich genau daraus die Gelegenheit, einen neuen Fokus zu finden für all das, was für uns beeinflussbar bleibt.

Genau darum geht es bei Resilienz. Zu akzeptieren bedeutet nicht, schicksalsergeben in der Ecke zu sitzen und abzuwarten. Vielmehr öffnet die Bereitschaft, das anzunehmen was ist, den Blick für neue Möglichkeiten und Chancen.

Ich bin gespannt, woher Sie Ihre Kraft ziehen. Welche Resilienzsäule hilft Ihnen dabei, positiv zu bleiben?

Über den Author: Christoph von Oldershausen

«ZEIT DER KRISE: ZEIT ZUM HANDELN? – Ein virtueller Austausch»
04. Juni 2020 (Anmeldeschluss: 02. Juni, 20:00 Uhr)
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