Blog 10/20 – Christoph von Oldershausen

Veröffentlicht am in Allgemein

Über unseren Blog 2020

Nachdem wir in den vergangenen Jahren zahlreiche positive Rückmeldungen zu unseren Blogbeiträgen erhalten haben, möchten wir diese noch junge Tradition des Liechtenstein Academy Blogs gerne auch in diesem Jahr fortführen.

Auch 2020 ist es uns wichtig in unserem Blog unterschiedliche Perspektiven zu berücksichtigen, um Ihnen als Leser ein möglichst anregendes Angebot zu bieten. Hierfür haben wir insgesamt sechs namhafte Gastautoren und Gastautorinnen gewinnen können, die ohne redaktionelle Filter jeweils Ihre persönlichen Überlegungen einfliessen lassen.

Freuen Sie sich auf Neues und Überraschendes von Michael Bursik, komplexe Zusammenhänge, einfach erklärt von Ulrich Schnabel, philosophische Einblicke von Dr. Ina Schmidt, scharfsinniges von unserem Sprach- und Rechtsexperten Carlos A. Gebauer , spannende Themen rund um die moderne Arbeitswelt von Sibylle Mäder sowie konstruktive Überlegungen unseres Gesundheitsexperten Christoph von Oldershausen.

Wir wünschen Ihnen eine anregende Lektüre.

Ihr Team der Liechtenstein Academy

Sehen und gesehen werden

Wer von sich selbst behauptet, in der Kommunikation mit seinen Mitmenschen keine Missverständnisse zu produzieren, der lügt. Es ist ein Leichtes, zwei Menschen im Alltag dabei zu beobachten, wie sie völlig aneinander vorbeireden – und keiner von beiden merkt es. Dabei hat sich die Art und Weise, wie wir miteinander kommunizieren, zumindest im beruflichen Kontext in den letzten Monaten stark verändert. Waren digitale Meetings noch vor einem Jahr die Ausnahme, so sind sie heute in vielen Unternehmen zur viel beschworenen neuen Normalität geworden. Es ist heute nicht mehr so wichtig, wo wir uns gerade aufhalten, um trotzdem bei einem Meeting dabei zu sein.

Diese Veränderung bringt zweifellos sehr viele Vorteile mit sich. Unser Arbeitsleben hat sich in vielen Bereichen nicht nur weiter digitalisiert, sondern auch flexibilisiert. Gleichzeitig verlangt diese neue Flexibilität auch neue Kompetenzen im Umgang mit den verschiedenen Kommunikationsmitteln, die uns zur Verfügung stehen. So hat jedes Kommunikationsmittel seine eigenen Stärken und Schwächen, denen wir uns bewusst sein sollten. Schließlich freuen wir uns alle darüber, wenn Kommunikation nicht nur stattfindet, sondern auch gelingt. Verdeutlichen möchte ich das am Aspekt der Körpersprache:

Körpersprache

Letzte Woche habe ich vor einer Gruppe von Kollegen eine Ansprache gehalten. Beobachten konnte ich gerunzelte Stirnen, ein leichtes Lächeln, überschlagene Beine oder sich entspannende Schultern. Die Kollegen standen frei im Raum, angelehnt an die Wand oder saßen auf einem Stuhl. Zwischendurch leises Tuscheln, ein Schluck Wasser, Wechsel in eine andere Position.

Seit Wochen und Monaten, in denen sich unsere Zusammenarbeit auf Videomeetings oder Treffen im kleineren Kreis beschränkt hatte, waren wir wieder in größerer Runde zusammengekommen. Und damit war auch einer der wichtigsten Aspekte zwischenmenschlicher Kommunikation zurück: Die Körpersprache. Es war wunderbar.

Wenn ich beobachten kann, wie meine Gesprächspartner auf meine Worte reagieren, dann macht es die Kommunikation nicht nur reicher, sondern in den meisten Fällen auch besser. Aber woran liegt das? Mithilfe unserer Körpersprache sind wir dazu in der Lage, den gesprochenen Worten eine Bedeutung zu geben, bis hin zur völligen Umkehr dessen, was wir eigentlich gesagt haben. Eine motivierende Ansprache kann eine ganz unterschiedliche Wirkung erzielen, je nachdem ob sie mit guter Körperspannung im Stehen oder gemütlich sitzend auf einem bequemen Stuhl gehalten wird.

Darüber hinaus ist die Körpersprache auch ein enorm wichtiger Feedbackgeber. Wenn wir sprechen, dann treffen wir immer auch eine Entscheidung darüber, welche Informationen wir mitteilen möchten und welche nicht. Unsere Körpersprache fügt darüber hinaus häufig unbewusst weitere Informationen hinzu, z.B. ob wir uns in einer Situation wohlfühlen oder nicht. Oder aber, ob die Zuhörer meine Worte aufmerksam verfolgen, einen inneren Widerstand aufbauen oder hinter der Botschaft stehen.

Bin ich nun ein Verfechter der ausschließlich analogen Kommunikation? Nein, absolut nicht. Ich finde aber, dass wir bewusstere Entscheidungen treffen sollten, für welche Anlässe wir welches Kommunikationsmittel wählen – und nicht umgekehrt das Kommunikationsmittel vorgibt, welche Themen wir überhaupt adäquat kommunizieren können. Denn je eher ein Thema von der reinen Sachebene weggeht und unsere zwischenmenschlichen Beziehungen stärker in den Vordergrund treten, desto eher sollten wir darauf achten, die Körpersprache so gut wie möglich in die Kommunikation einzubinden und zu nutzen.

Wir alle möchten, dass unsere Beziehungen funktionieren und Kommunikation «einfach» ist. Wir möchten miteinander verbunden sein, insbesondere wenn der persönliche Austausch im Büro seltener stattfindet. Dazu gehört Vertrauen auf allen Seiten und ein gewisses Maß an Offenheit, uns auch in digitalen Meetings zu zeigen und so weit wie möglich einzubringen.

Über den Author: Christoph von Oldershausen

«Inspiration und Souveränität – Basis für den persönlichen Erfolg»
16. – 21. Mai 2021
Mehr Details und Anmeldung hier