Blog 11/20 – Michael Bursik

Veröffentlicht am in Allgemein

Über unseren Blog 2020

Nachdem wir in den vergangenen Jahren zahlreiche positive Rückmeldungen zu unseren Blogbeiträgen erhalten haben, möchten wir diese noch junge Tradition des Liechtenstein Academy Blogs gerne auch in diesem Jahr fortführen.

Auch 2020 ist es uns wichtig in unserem Blog unterschiedliche Perspektiven zu berücksichtigen, um Ihnen als Leser ein möglichst anregendes Angebot zu bieten. Hierfür haben wir insgesamt sechs namhafte Gastautoren und Gastautorinnen gewinnen können, die ohne redaktionelle Filter jeweils Ihre persönlichen Überlegungen einfliessen lassen.

Freuen Sie sich auf Neues und Überraschendes von Michael Bursik, komplexe Zusammenhänge, einfach erklärt von Ulrich Schnabel, philosophische Einblicke von Dr. Ina Schmidt, scharfsinniges von unserem Sprach- und Rechtsexperten Carlos A. Gebauer , spannende Themen rund um die moderne Arbeitswelt von Sibylle Mäder sowie konstruktive Überlegungen unseres Gesundheitsexperten Christoph von Oldershausen.

Wir wünschen Ihnen eine anregende Lektüre.

Ihr Team der Liechtenstein Academy

High Tech braucht High Touch

Die Zahlen belegen es eindrücklich. Die zweite Coronawelle schwappt über Mitteleuropa und erste Regierungen beginnen mit der Wiedereinführung von Lockdowns. Sogar der bisher eher massnahmenscheue, englische Premier Boris Johnson sieht nunmehr keine Alternative zum wiederholten Zurückfahren des öffentlichen Lebens.

Doch längst haben sich viele Bereiche in unserem Leben gewandelt. Von einem «neuen Normal» zu sprechen wäre zwar noch verfrüht, aber viele von uns durften im Frühjahr erste Erfahrungen mit dieser besonderen Situation sammeln. Über die Notwendigkeit der Einschränkungen und deren Auswirkung auf Grundrechte zu diskutieren ist wichtig, doch ebenso wichtig ist es, sich ganz persönlich auf die Situation einzustellen. Denn der Umgang mit dem Virus hat uns vor Herausforderungen gestellt, die unser soziales Miteinander völlig auf den Kopf stellen. Gleichzeitig sind wir in der glücklichen Lage in einer Zeit zu leben, in der wir über Technologien verfügen, die es uns erlauben, ortsunabhängig im virtuellen Raum miteinander zu kommunizieren und zu kooperieren.

Virtuelle Welten sind das «neue Normal»

Moderne Kommunikations- und Informationstechnologie ist der Profiteur der Krise. So konnte die von Microsoft herausgegebene Kollaborationssoftware MS Teams ihre täglichen Nutzer innerhalb der letzten zwölf Monate fast vervierfachen. Alleine mit Microsoft Teams nutzen mehr als 75 Millionen Menschen mittlerweile die Möglichkeiten der virtuellen Kooperation in ihrem Arbeitsalltag.

Doch auch Videodienstanbieter profitieren von den Einschränkungen. So konnte beispielsweise Zoom seine Umsätze im zweiten Quartal um 355 Prozent steigern. Dieser Anstieg kommt nicht nur aus dem Firmensektor, sondern die Nutzung vervielfachte sich auch im privaten Bereich. Ich selbst durfte Ende April an einer Geburtstagsfeier teilnehmen, die über Zoom abgehalten wurde. Und obwohl das Online-Treffen über mehrere Stunden ging, so war es durchaus unterhaltsam und kurzweilig. Doch ist ein virtuelles Treffen mit einem realen vergleichbar?

Von der Qualität virtueller Begegnungen

In seinem Buch HighTech/ High Touch geht der amerikanische Zukunftsforscher John Naisbitt der Frage nach, wie eine Balance zwischen technologischen Möglichkeiten und menschlichen Bedürfnissen aussehen könnte. Er schreibt: «The more high technology around us, the more the need for human touch…» (zu deutsch: «Je mehr Technologie um uns herum, desto notwendiger wird die menschliche Berührung...»). Denn ohne die menschliche Komponente geht etwas verloren, was für uns Menschen immens wichtig ist. Er gibt darin keine Empfehlung für die Technologienutzung ab, aber nach der Lektüre beginnt man das eigene Verhalten zu reflektieren. Technologie sollte dem Menschen dienen und nicht andersherum.

Doch wie möchte man High Touch in einer Zeit ersetzen, in der genau dieser menschliche Austausch beschränkt wird? Ganz im Kontrast zu Naisbitt empfiehlt der bekannte Gründer und Influencer Gary Vaynerchuck die technologische Aufrüstung. Dabei preist er den positiven Einfluss an, den Technologie auf ihn als Mensch hatte. Die Grenze, wer hier wen unter Kontrolle hat, lässt sich von außen nicht mehr beobachten.  [Lese mehr dazu: Our Kids Aren’t Using Too Much Tech. They’re Not Using Enough (nur in englischer Sprache verfügbar)].

Technologie mit menschlichem Antlitz

Beide stimmen jedoch darüber überein, dass es High Touch braucht. In Zeiten von Corona müssen wir zwar auf die direkte Berührung verzichten, doch wir können uns überlegen, wie wir mehr Menschlichkeit in unsere virtuellen Kontakte und Kollaborationen bringen. Das kann ein kurzes Aufwärmgespräch vor dem eigentlichen Arbeitsmeeting sein oder aber auch die virtuelle Feier mit Freunden. Hier ist menschliche Kreativität und Fantasie gefragt – und das ist ein Feld in dem wir Menschen der Technologie weit überlegen sind.

Doch auch wir müssen uns weiterentwickeln. Die Qualität virtueller Begegnungen wird umso besser, je mehr wir mit uns selbst im Kontakt sind. Und dafür benötigen wir keinerlei Technologie.

Über den Author: Michael Bursik

 

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