Blog 03/20 – Christoph von Oldershausen

Veröffentlicht am in Allgemein

Über unseren Blog 2021

Nachdem wir in den vergangenen Jahren zahlreiche positive Rückmeldungen zu unseren Blogbeiträgen erhalten haben, möchten wir diese noch junge Tradition des Liechtenstein Academy Blogs gerne auch in diesem Jahr fortführen.

Auch 2020 ist es uns wichtig in unserem Blog unterschiedliche Perspektiven zu berücksichtigen, um Ihnen als Leser ein möglichst anregendes Angebot zu bieten. Hierfür haben wir insgesamt sechs namhafte Gastautoren und Gastautorinnen gewinnen können, die ohne redaktionelle Filter jeweils Ihre persönlichen Überlegungen einfliessen lassen.

Freuen Sie sich auf Neues und Überraschendes von Michael Bursik, komplexe Zusammenhänge, einfach erklärt von Ulrich Schnabel, philosophische Einblicke von Dr. Ina Schmidt, scharfsinniges von unserem Sprach- und Rechtsexperten Carlos A. Gebauer , spannende Themen rund um die moderne Arbeitswelt von Sibylle Mäder sowie konstruktive Überlegungen unseres Gesundheitsexperten Christoph von Oldershausen.

Wir wünschen Ihnen eine anregende Lektüre.

Ihr Team der Liechtenstein Academy

Kreativität im Homeoffice

Ich beschäftige mich nun schon seit Jahren mit dem Slogan «Moving People from Knowing to Doing». Für mich ist er so etwas wie der heilige Gral meines Berufslebens: Ich begleite Menschen dabei, vom Wissen ins Handeln zu kommen.

Ich weiß inzwischen eine Menge darüber, was wir tun können, um unsere Gesundheit zu erhalten und zu fördern. Und so war ich doch einigermaßen erstaunt, als ich im Spätsommer letzten Jahres durch eine interne Schritte-Challenge festgestellt habe, wie wenig ich mich an vielen Homeoffice-Tagen bewege – trotz meines besseren Wissens. Es musste eine Veränderung her.

Inzwischen habe ich einige feste Gewohnheiten etabliert. So überlege ich mir zu Beginn meines Arbeitstages, welche Telefonate ich draußen bei einem Spaziergang führen kann. Dieser Spaziergang tut mir gut und macht mich produktiver. Zudem ist er eine willkommene Abwechslung für meine Augen, die sich über frische Luft und den Blick in die Ferne freuen.

Trotzdem fehlte mir lange Zeit noch etwas, und ich konnte nicht genau sagen, was es ist. Klar wurde es mir, als ich vor einigen Wochen über einem Problem grübelte und nicht so recht weiterkam. Ich beschloss Laufen zu gehen und meinem Kopf eine Pause zu gönnen. Ich lief los und dachte an nichts Besonders. Nach etwa 10 Minuten hatte ich einen anderen Zugang zum Problem gefunden, nach 20 Minuten eine Lösung skizziert, und als ich wieder zu Hause ankam, lag die Lösung klar vor mir. Ich ging sofort an den Schreibtisch und schrieb alles auf, was mir durch den Kopf ging. Nun wurde mir einiges bewusst.

Bevor ich so viel im Homeoffice gearbeitet habe wie aktuell, fuhr ich häufig mit dem Fahrrad ins Büro. 30 Minuten hin, 30 Minuten zurück – eine ideale Zeitspanne, um den Tag im Kopf schon einmal durchzugehen, an ein wichtiges Gespräch zurückzudenken oder die Gedanken einfach schweifen zu lassen. Häufig kamen mir die besten Lösungen und kreativsten Gedanken auf dem Fahrrad, sodass ich, im Büro oder zuhause angekommen, erst einmal ein paar Notizen für den nächsten Tag machte.

Wie sehr mir diese 30 Minuten auf dem Fahrrad fehlen, ist mir erst in den letzten Tagen bewusst geworden. Mit dem Wechsel ins Homeoffice habe ich mich der Zeit bzw. meiner Routine beraubt, meine Gedanken schweifen zu lassen oder Probleme aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten. Ich hatte meinem kreativen Denken die Grundlage entzogen. Doch wie kommt es eigentlich, dass einem die vermeintlich besten Gedanken auf dem Fahrrad, unter der Dusche, beim Wandern oder Kochen kommen?

Mit dem Wechsel ins Homeoffice habe ich mich der Zeit bzw. meiner Routine beraubt, meine Gedanken schweifen zu lassen oder Probleme aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten.

Damit Kreativität entsteht, müssen wir divergentes und konvergentes Denken kombinieren. Divergentes Denken bedeutet, sich offen, unsystematisch und experimentierfreudig mit einem Thema oder Problem zu beschäftigen (nach J.P. Guilford). Um in diesen Zustand des Denkens zu kommen, hilft es mir, mein gewohntes Umfeld zu verlassen, mich gleichmäßig zu bewegen und dadurch meine Gedanken schweifen zu lassen. Damit aus unsystematischen Gedanken Lösungen werden, müssen diese dann im sogenannten konvergenten Denken analysiert und zusammengeführt werden.

Ich habe ein wenig herumexperimentiert und inzwischen meine ideale Homeoffice-Strategie für kreative Problemlösung gefunden:

  1. Mit dem Problem bzw. der Aufgabe befassen und erste Gedanken und Ansätze notieren.
  2. Eine Routineaufgabe erledigen, die mich nicht fordert.
  3. Laufen gehen.
  4. Die Gedanken direkt im Anschluss schriftlich zusammenfassen.
  5. Eine andere Aufgabe erledigen.
  6. Die Problemlösung ausformulieren.

Bei aller Homeoffice-Müdigkeit ist das etwas, was ich an der aktuellen Situation sehr schätze: Nie war es so einfach, eine Laufeinheit (oder Bewegung an der frischen Luft) als Teil des Arbeitsprozesses in den Alltag zu integrieren!

Was tun Sie, um Ihren Gedanken freien Lauf zu lassen und ins divergente Denken zu kommen? Ich bin gespannt auf Ihre Ideen und Anregungen.

 

Über den Author: Christoph von Oldershausen